Führerschein Klasse K

„Hör auf so mit mir zu reden, sonst halt ich an und steige aus!“, schmettere ich, mit meinen jugendlichen 17 Jahren, meinem Fahrlehrer an den Kopf. Ein absoluter Sturkopf. Sieht sich völlig im Recht. Genau wie ich. Erstes, wie Letztes. Er hört partout nicht auf ruppig und arrogant mit mir umzuspringen. Meine Konsequenz: eine Vollbremsung, 1A rückwärts in eine Parklücke einparken, abschnallen, meine Tasche und die hohen Schuhe vom Rücksitz holen, die ich zu jeder Fahrstunde gegen Turnschuhe wechsele, Türen knallen & ein wütendes „Tschüss!“, motze ich ihm im Davonstapfen auch noch hinterher.

Ich war ein Teenie, wie jeder Andere. Nur schlimmer.

Das Ende vom Lied war, dass ich natürlich, pünktlich zu meinem 18. Geburtstag meinen Führerschein in der Tasche hatte. Nur der Weg dorthin war beschwerlich. Weder viele Fahrstunden, noch beim ersten Mal durch die Prüfung gerasselt… wir konnten einfach nicht miteinander, mein Fahrlehrer und ich. Ich habe es trotzdem durchgezogen. Immer mit dem Ziel vor Augen unabhängig zu sein und so schnell wie möglich in die große weite Welt rauszukommen.

Wahrscheinlich haben die Meisten von euch ihren Führerschein gemacht und fahren mehr oder weniger viel Auto. In der Großstadt, brauche ich mein Auto kaum. Da erledige ich viel mit meinem geliebten Hollandrad, zu Fuß oder zur Not mit der überfüllten Bahn. Wirklich nur zur Not. Aber ab und an geht es nicht anders und dann sitze ich da, oder meistens stehe ich im Gang im Weg, und spiele Pokemon Go. Nein, natürlich nicht. Mich hat das Fieber um Pikachu und Co. nicht gepackt. Überhaupt nicht. Ich habe ehrlich gesagt überhaupt keine Ahnung, worum es bei diesem Spiel geht, aber ich finde es seltsam erschreckend, Erwachsene Menschen mitten auf der Straße zu entdecken, die sich fast von einem Auto überfahren lassen, nur um zur richtigen Zeit auf diesen roten, dicken Knopf zu drücken, um ein Pokemon abzugreifen. Ich bin zu alt dafür. Sorry. Aber wenn wir ehrlich sind, ist dieser Hype, so schnell er kam, genauso schnell auch wieder gegangen. Oder spielt den Mist wirklich noch jemand von euch?

Wo war ich… Führerschein. Genau. Die Meisten haben einen, die Wenigsten brauchen einen, aber es ist halt extrem komfortabel. Punkt. Und notwendig – schließlich lernst du im Unterricht die Regeln und Richtlinien für den Straßenverkehr, weißt wie du mit deinem Auto umzugehen hast und bist ausreichend vorbereitet für das Alltagschaos auf der Straße. Soweit so gut. Wie wäre es denn dann mal mit einem Führerschein für Kinder? Die Führerschein Klasse K. Wenn ihr mich fragt, längst überfällig.

Ich gehe durch den Supermarkt, sitze in der Bahn oder im Wartezimmer beim Arzt und bin immer wieder erstaunt, wie die Menschen mit ihren Kindern umgehen. Wenn man mich so anfahren würde, würde ich auch schreien und davon laufen. Wundert es die Eltern wirklich, dass sich ihre Kinder brüllend auf den Boden werfen und sie nicht mehr an sich ranlassen? Wundert es die Eltern wirklich, dass sie keinerlei Zugang zu ihren Kindern haben? Mich wundert das nicht. Was ist denn los mit euch? Seid ihr alle so gestresst, dass ihr nur an eure eigenen Probleme denken könnt und kein offenes Ohr und kein Auge mehr für eure Kinder habt? Mich nervt es, dieses Trauerspiel mitansehen zu müssen. Nein, das stimmt nicht. Mich macht es regelrecht wütend. Und in diesen Momenten frage ich mich ernsthaft, ob man nicht einen Führerschein einführen könnte, ohne den man keine Kinder bekommen darf. Keine Angst, ich bin aufgeklärt, ich weiß, dass es nicht so einfach ist, den Menschen zu verbieten, ein Kind in die Welt zu setzen, aber das wäre doch die einzig logische Konsequenz, auf das, was hier passiert.

Ein Kind ist vielleicht nicht immer einfach. Es bekommt Zähne, hat Schmerzen, Hunger, vielleicht nervt es dich, weil es ständig jammert und weint. Die Nächte sind kurz und die Zeit für sich selbst schrumpft auf ein Minimum oder ist im schlimmsten Fall überhaupt nicht mehr vorhanden. Aber das weiß man doch vorher! Oder etwa nicht? Ist unsere Generation wirklich so schlecht aufgeklärt, dass wir nicht wissen, was es bedeutet, ein Kind in die Welt zu setzen? Verantwortung übernehmen, sich selbst in die zweite Reihe stellen, ehrlich sein, das Kind ernst nehmen, über alles reden und vor allem eins: bedingungslos Liebe raushauen. Liebe ohne Ende. Liebe, Liebe, Liebe. Wenn du diese sechs Dinge konsequent durchziehst, will ich sehen, wie sich dein Kind brüllend auf den Boden wirft und so tut, als ob du nicht da wärst. Das wird es nicht tun. Weil du ihm an der Kasse im Supermarkt nicht grob das Überraschungsei aus der Hand reißt und eine Ohrfeige andeutest, sondern ihm erklärst, dass es das dieses Mal nicht bekommt, weil zu Hause noch ganz viele Süßigkeiten auf es warten. Beim nächsten Mal kann man aber drüber sprechen. Fertig. Das ist doch nicht so schwer. Glaubt mir, es funktioniert.

Liebe Leute da draußen, ich mache gerne eine Fahrschule für Kinder auf, wenn ihr dann endlich aufhört euch so unterirdisch zu benehmen.  „Das geht sie überhaupt nichts an, wie ich mit meinem Kind umgehe!“, habe ich schon mehrere Male bitterböse an den Kopf geschmissen bekommen. Wenn allerdings eine Mutter ihr Kind auf offener Straße fast verprügelt, geht es mich sehr wohl etwas an. Nicht daran zu denken, wie sie sich zu Hause hinter verschlossenen Türen aufführt.

Mir ist klar, dass ihr, die das hier lest, nicht zu den Eltern zählt, die sich so verhalten… ich hoffe es zumindest sehr. Aber habt ihr auch Erfahrungen mit solchen Menschen gemacht? Kennt ihr solche Begegnungen? Wie verhaltet ihr euch? Mich interessieren eure Geschichten und ich freue mich auf eure Kommentare! Nur das Beste, eure Katharina.

 


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