13 Jahre Schule – was ist davon geblieben? Anfang der Woche habe ich ein Interview für meine Heimatzeitung gegeben. Die wollten nach all den Jahren mal hören, wie es mir geht, was ich so mache und wie eigentlich alles anfing. Wir haben lange über meine Schulzeit gesprochen, die recht problemlos verlief, um nicht zu sagen eher langweilig war. Ganz passable Noten, keine Prügeleien, keine schlimmeren Vergehen. Immer eine große Klappe, aber auch was dahinter. Ich hatte immer schon meine eigene Meinung… wahrscheinlich nicht immer leicht für meine Lehrer, aber besser als ein kopfnickender Ja-Sager zu sein, der alles heimlich, still und leise über sich ergehen lässt, oder? Die Lehrer haben nicht den Eindruck gemacht, als ob sie damit nicht umgehen könnten. Ich glaube, es war alles gut so, wie es war.

Beim Blick zurück fällt mir auf, dass erschreckenderweise nicht viel von meiner Schulzeit geblieben ist. Ein paar Gesichter, die ab und an bei Facebook an mir vorbeirattern. Einige schöne und lustige Erinnerungen an Klassenfahrten, heimliches Rauchen im Wäldchen hinter dem Schulhof oder Lehrer, die aus lauter Verzweiflung mit Lochern um sich werfen… alles erlebt. Aber viel mehr ist da nicht. Mein Abizeugnis verstaubt seit dem Tag, als ich es bekommen habe, im Jahre 2003, in irgendeiner Kiste auf dem Dachboden meiner Eltern. Genau wie alle anderen Zeugnisse. Ich habe nie wieder eines davon gebraucht. Jetzt werden die „Nicht-Selbstständigen“ natürlich aufschreien und dagegen halten, da sie ihre guten Zeugnisse, nicht nur für das an´s Abitur folgende Studium, sondern auch in den darauffolgenden Jahren, noch sehr oft gebraucht haben. Ich weiß. Ich bin selbst Schuld. Ich hätte mir einen Beruf suchen können, in dem Beurteilungen in Form von Noten und Punkten, eine größere Rolle spielen. Aber was ist ernsthaft geblieben?

Wir haben alles über die Flora und Fauna in Afrika gelernt, wissen wie man Potenzen errechnet, Wurzeln zieht und blablabla Kurven auswertet. Wir haben Goethe, Schiller und Lessing lesen müssen, ohne wirklich zu verstehen, was die Jungs von damals von uns wollen, haben erfahren, dass H2O nicht nur ein Erlebnis-Schwimmbad in der Heimat, sondern eine chemische Formel, neben viel zu vielen anderen chemischen Formeln, ist. Man hat uns Latein-Vokabeln eingeprügelt, obwohl die Sprache längst niemand mehr spricht. Wir saßen mit zitternden Knien in unseren Klausuren, haben zu unserem Nachbarn rüber geschielt, auf den Spickzettel in unserem Federmäppchen gestarrt, und gehofft, dass es niemand bemerkt. Wir haben gebüffelt, gepaukt, gelernt was das Zeug hält – und wofür?„Du lernst für´s Leben. Nicht für die Schule.“, hieß es immer. Aber was habe ich wirklich für mein Leben gelernt?

Kaum hatte ich mein Abi in der Tasche, stand ich alleine da. Da war kein Lehrer, der mir erklärt hat, wie ich meinen ersten Mietvertrag unterschreiben muss. Es gab kein Unterrichtsfach, dass mir beigebracht hat, wie ich mich in einer fremden Stadt, unter fremden Menschen, in einer fremden Kultur zurecht finde. Smalltalk – was ist das und wie funktioniert es? Wie deute ich Körpersprache? Ich hatte keinen Plan. Keine Hilfestellung zur ersten Steuererklärung. Keine Problemlösung für den stets leeren Geldbeutel. Keine Informationen für den Fall, dass man sich nicht anstellen lassen, sondern selbstständig machen möchte. Keine Begleitung zu Ämtern. Keine Ausfüllhilfe für Fragebögen jeglicher Art. Das war dann wohl das wahre Leben. Ohne doppelten Boden. Ohne Rückfallebene. Was half mir mein Wissen über jegliche Baumarten im weit entfernten Afrika, wenn ich hier in Deutschland nicht wusste, wie ich einen Fuß vor den anderen setzen sollte? Ich übertreibe, schon klar, aber mal im Ernst: was ist geblieben? Wieviele von uns nutzen das Wissen, welches wir uns jahrelang in schlaflosen Nächten, wie immer kurz vor knapp und viel zu spät, draufgeschafft haben?

Mein Abizeugnis ist und bleibt verstaubt in irgendeiner Kiste auf dem Dachboden meiner Eltern. Kein Mensch interessiert sich für meine 12 Punkte in meiner Abschluss-Deutschklausur. Auch nicht für die mickrigen 5 Punkte in Mathe, die, nur zu meiner Verteidigung, einzig und alleine etwas mit dem Lehrer zu tun hatten und nicht mit meiner mathematischen Inkompetenz. Aber lassen wir das.

Das Leben ist so viel mehr als Punkte und Noten. Mehr als eine Beurteilung, die jemand über dich schreibt. Im besten Fall jemand, der auf deiner Seite steht und dich schätzt, im Schlechtesten jemand, der keine große Begeisterung für dich hegt. Das Leben bringt dir keiner bei. Für´s Leben gibt es keine Gebrauchsanweisung. Da muss jeder selber durch. Aber vielleicht ist genau das das Spannende. Nach 13 Jahren Schule ins kalte Wasser zu springen und ganz von vorne anzufangen. Alle Bäume Afrikas hinter sich lassen und selbst die Welt und das Leben entdecken. So kommt es mir heute vor. So war das damals.

Wie war es bei euch? Was habt ihr aus eurer Schulzeit mitgenommen? Ich bin gespannt auf eure Geschichten. Kommentiert gerne hier oder bei Facebook… ich freue mich! Nur das Beste, eure Katharina.

 


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Autorin: Katharina Lichtblau
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