Ich war vor Kurzem mal wieder in der guten alten Heimat. NRW. Da, wo es ein bisschen schmuddelig ist. Ein bisschen ruppig zugeht. Wo man sich gerne mal die Meinung sagt, aber auch Ironie und Witz versteht. Ach, ich liebe es einfach. Ich muss nicht vom Gehweg essen können. Mein Hausflur muss nicht lupenrein sein und ich kann wirklich auf Dorfsheriffs verzichten, die mir Tag für Tag erzählen wollen, was ich darf, aber vor allem, was ich nicht darf. Eigentlich war ich zum Arbeiten in NRW. Aber ich verbinde das immer gerne mit einem Besuch bei meiner Familie. Und wenn dann die Freundin, die eigentlich in Berlin lebt, auch gerade in der Kleinstadt zu Besuch ist, scheint der Trip perfekt.

Wir sitzen um 11:00 Uhr in einem Gartencenter. Zwischen Blumen und Schnick Schnack, befindet sich hier ein Café, das überwiegend von alten Menschen mit weißen Haaren besucht wird, die Möhrengemüse mit zwei Frikadellen oder Linsensuppe mit Speck bestellen. Wir kommen uns unfassbar jung und faltenfrei vor. Wir sind quasi unwiderstehlich. Wir sollten öfter hier her kommen.

Alle anderen Cafés im Umkreis von 5 Kilometern, haben wahlweise nur von Freitag bis Sonntag geöffnet, komplett geschlossen, renovieren gerade oder sind schlicht und einfach so hässlich, dass wir es wirklich  nicht vertreten können, uns da rumzutreiben. Kleinstadtproblematiken. Ihr kennt das.

Ich sitze da, mein Freundin vor mir. Und obwohl wir uns nicht all zu oft, auf Grund der Entfernung, sehen können, fühlt es sich an, wie nach Hause kommen. Redeanteil 50/50. Sie erzählt etwas, ich nicke wild und stimme ihr zu. Ich erzähle etwas, sie weiß sofort, was ich meine. Es bedarf nicht vieler Worte. Das nennt man wohl Freundschaft.

Aber ich glaube jeder von uns kennt auch das Gegenteil. Wenn du da sitzt mit Vampiren. Vampiren, die dich aussaugen, bis du kalt und leblos bist und alles was bleibt, ist ein Gebissabdruck an deiner Halsschlagader. Die Rede ist hier nicht von unwiderstehlich sexy Vampiren, wie Bella oder Edward aus Twilight. Von denen würden sich die Meisten wahrscheinlich gerne beißen lassen. Ich meine Menschen, die immer nur nehmen, wie Vampire, die dich aussaugen. Dein Wissen, deine Geschichten, deine Witze, deine Ironie, deine Schlagfertigkeit – alles wird völlig selbstverständlich genommen, aber eine Gegenleistung bekommst du nicht.

Nach solchen Begegnungen fühlst du dich schlapp und müde. Weil du das Gespräch am laufen gehalten hast. Weil du der Einzige warst, der Input gebracht hat. Dein Gegenüber sitzt da wie ein Vampir, der dir das Blut aus den Adern saugt. Dir deine Energie nimmt.

Am Ende des Tages denkst du nach und fragst dich, was dir dieses Gespräch gebracht hat und du stellst fest, dass es dir rein gar nichts gegeben hat. Der Vampir geht voller Energie nach Hause und ist stärker, als zuvor. Während du weder etwas Neues dazu gelernt hast, noch unterhalten wurdest, noch einen anderen Vorteil aus dieser Begegnung gezogen hast. Ganz im Gegenteil.

Schon seit einigen Jahren verabrede ich mich nur noch mit Menschen, die mir wirklich etwas bedeuten. Bei denen ich mich wohl fühle. Die meinen Akku aufladen. Die mir Energie geben. Menschen mit denen ich die gemeinsame Zeit genieße. Und denen ich auch gerne etwas gebe.

Geben und nehmen, das alte Spiel. Funktioniert immer noch am besten. Was meint ihr?


WEIBLICH, SELBSTSTÄNDIG. KREATIV
Autorin: Katharina Lichtblau
Instagram: @katharinalichtblau
Facebook: www.facebook.com/lichtblaukatharina/
Homepage: www.katharinalichtblau.de
Homepage: femmetastic.life
Snapchat: snapthekath


 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here