Als ich meinen ersten großen Job beim Fernsehen bekam, war das so: ich kam frisch von der Schauspielschule, habe hier und da in Theaterstücken mitgespielt und war in den Jahren zuvor auch schon das ein oder andere Mal über den Bildschirm geflimmert. Ich war zufrieden. Hatte aktuell gerade die weibliche Hauptrolle in Büchner´s „Leonce und Lena“ für ein recht angesagtes, junges Theater ergattert, die mit ihren Inszenierungen immer viel Aufsehen erregten. Es konnte eigentlich nicht besser laufen. Ja gut, das große Geld hatte ich noch nicht verdient, aber ich hielt mich ganz gut über Wasser, arbeitete nebenbei in der Gastro und war stolz auf eigenen Beinen zu stehen. Schule und Ausbildung waren vorbei. Ich war jung, mir stand die Welt offen. Als im Schauspielermagazin Cast nach einer Moderatorin gesucht wurde, deren Beschreibung 1:1 auf mich passte, ergriff ich meine Chance, bewarb mich und – lange Rede kurzer Sinn – setzte ich mich gegen 600 weitere Bewerberinnen in mehreren Castingrunden durch und bekam den Job. Tschüss Lena. Die Rolle am Theater konnte ich knicken. Aber hey, wer würde schon bei so einem Angebot nein sagen können. Das war mein Ding – zugegeben: ich hatte noch nie zuvor in meinem Leben auch nur einen Satz moderiert, aber irgendetwas mussten die Casterin und meine Chefs an mir gefunden haben. Und, wie es immer so ist, eine große Portion Glück kam natürlich auch dazu. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich war dankbar und dieses Gefühl musste raus.

Meine Eltern haben mir von klein auf beigebracht danke zu sagen. Ich war zwar nicht immer ein großer Fan davon, aber natürlich habe ich es immer gemacht. „Rufst du bitte mal Tante Sylvi an und bedankst dich für das Geschenk, dass sie für dich mitgegeben hat?“, tarnte meine Mutter eine klare Ansage als Frage. „Muss ich?“, maulte ich meist schlecht gelaunt und verdrehte die Augen. Ein vorwurfsvoller Blick reichte. Ich gab nach: „Schon gut, schon gut.“ Tief im Inneren wusste ich natürlich, dass man sich bedanken musste, wenn man etwas geschenkt bekommen hatte. Schließlich freute ich mich ja auch über das Geschenk, aber den Hörer in die Hand zu nehmen, die richtigen Worte zu wählen und dann als Kind lieb und nett danke zu sagen, war einfach nicht mein Ding. Ich glaube kein Kind sagt gerne danke. Vor allem nicht dann, wenn es darum gebeten wird. Das war früher so, das ist heute so.

Je älter ich wurde und je mehr Glück ich in meinem Leben hatte, desto dankbarer wurde ich und desto mehr wurde mir klar, dass nichts, aber auch gar nichts auf der Welt, selbstverständlich ist. Das fängt beim Frisör an und hört bei meinem Job auf. Nur weil ich Geld für meinen Haarschnitt bezahle und es der Job meiner Frisörin ist, heißt es noch lange nicht, dass sie nach getaner, guter Arbeit kein herzliches Danke verdient hat. Genauso bei der Blumenfrau, die mir einen schönen Strauß bindet, der Kassiererin, die mir einen schönen Tag wünscht, dem Kellner, der einen großartigen Service liefert oder dem Team am Set, dass mir einen schönen Arbeitstag beschert hat. Ich habe zu viel gesehen und erlebt, als dass ich all das als Selbstverständlichkeit empfinden würde. Das ist echt nicht. Viel Geld für etwas zu bezahlen, bedeutet leider nicht, dass auch ein gutes Produkt entsteht. Wenn es aber so ist, dann bin ich die erste, die danke sagt und die Betreffenden mit Lob überschüttet. Nebenbei: natürlich gab es im Jahr 2007, als alles mit dem Fernsehen begann, drei Dankesbriefe meinerseits. Einer ging an den Chefredakteur der Cast, Thomas Bauer, ein Weiterer an die Casterin der Sendung, die mich bis ins Finale durchgeprügelt hatte und meine beiden Chefs, die einem neuen Gesicht, wie mir, in der Branche eine Chance geboten hatten, obwohl sie weitaus erfahrenere Moderatorinnen hätten haben können, haben natürlich auch Post bekommen. Ich war sehr dankbar für die Chance, warum sollte ich die Betreffenden das nicht wissen lassen?!

Es ist nicht so, dass ich das von Anderen auch erwarten würde… Humbug, natürlich tue ich das. Mir muss niemand die Füße küssen, wenn ich einen guten Job gemacht habe, aber ein Feedback ist doch das Mindeste. Gerne auch mit konstruktiver Kritik. Egal für wen oder was ich arbeite, wie mein Job aussieht und wie zeitaufwendig er ist: ich gebe immer alles, mache mir Gedanken, versuche es dem Kunden Recht zu machen.

So war das auch beim Fernsehen. Kaum hatte ich den Job in der Tasche, begann mein neues Leben. Ich verbrachte mehr Zeit in Hotelbetten, als in meinem Eigenen, reiste durch die Welt und stemmte die ersten Studiotage ganz passabel, trotz schlotternden Knien, Herzrasen und zitternden Händen. Jeden Tag auf´s Neue 100 Kinder und 50 Mann Team zu bespaßen, daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Rückblickend war da natürlich noch viel Luft nach oben, aber ich war jung, alles war neu und dafür war es echt okay. Das fanden übrigens auch die Verantwortlichen, wie sich später herausstelle – es sagte nur keiner. Ich erinnere mich noch genau an meine ersten Drehtage: von morgens bis abends produzierten wir im Studio die ersten Sendungen, nachts lernte ich wie eine Verrückte meinen Text. Schlaf ist ja sowieso völlig überbewertet. Die Tage vergingen, die Augenringe wurden immer größer und der Druck, den ich mir machte, ebenfalls. Denn keiner hatte je Kritik geübt – weder positiv, noch negativ. Ich traute mich aber auch nicht nachzufragen, zu groß war die Angst schlafende Hunde zu wecken. Die neue Herausforderung war sowieso schon ein riesen Ding für mich, da konnte ich auf Verbesserungsvorschläge vorerst gut verzichten.

In meiner dritten Staffel, nach bereits einigen Monaten im Job, übernahm ein neuer Regisseur die Sendung. Wir drehten 14 Tage miteinander. Am letzten Tag kam er nach der Sendung zu mir und fragte mich: „Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass du einen echt guten Job machst?“ Perplex antwortete ich: „Ähh, nein.“ „Was? Im Ernst? Das ist ja krass. Aber du kennst ja die Schwaben, wie sagt man hier so schön: Nix gschwätzt, isch gnug globt!“ Was so viel heißt wie, wenn du nichts Negatives hörst, ist alles okay.

Jetzt mal ganz ehrlich: das ist doch scheiße, oder? Wenn alles super läuft, gibt es keinen Grund etwas zu sagen, erst wenn man unzufrieden ist, reißt man das Maul auf? Sorry, aber bei der Nummer bin ich nicht dabei. Und um ausnahmsweise die Schwaben mal in Schutz zu nehmen, glaube ich nicht, dass das ein reines Schwaben-Ding ist, sondern viel mehr ein Problem unserer Gesellschaft. „Wieso soll ich der Danke sagen? Das ist doch ihr Job!“ Na klar, aber mit bitte und danke ist man schon immer schöner durch´s Leben gekommen. So war das früher, so ist das heute. Und wenn du das Strahlen einer Kellnerin siehst, der du beim Zahlen sagst, dass sie einen tollen Job macht und der Abend u.a. dank ihr wahnsinnig viel Spaß gebracht hat, dann weißt du auch, warum danke sagen so wichtig ist.

Ein kleines Danke kann so glücklich machen. Das geht Kellnern so, Fotografen, Floristen, Kassiererinnen, Maskensbildnerinnen, Moderatorinnen und allen anderen Menschen auf der Welt übrigens auch. Ein Feedback für seine Arbeit zu bekommen tut gut. Denn ganz ehrlich: wer arbeitet denn heutzutage nur der Kohle Wegen? Ein Job sollte im besten Fall doch viel mehr sein, als nur eine Geldeinnahmequelle. Arbeit ist Leidenschaft, Spaß, Leben. Und danke sagen tut nicht weh. Was meint ihr?

Passend zum Thema, freue ich mich auf eure Meinung und euer Feedback. Wie wichtig ist euch ein ehrliches Dankeschön und wie geizig oder großzügig geht ihr mit dem Wort um? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Nur das Beste für euch, und DANKE für´s Lesen. Eure Katharina

 


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Autorin: Katharina Lichtblau
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