Machen wir uns nicht´s vor, die Fotografie ist eine Männerdomäne. Es gibt zwar mittlerweile wahnsinnig viele Frauen, die mit dem Knipsen ihr Geld verdienen, aber so richtig ernst genommen werden sie nicht. Die vielen Knöpfe und Rädchen, der ganze Technikkram und das Protzen mit dem größten Objektiv, ist Männersache. Wenn ich als Fotografin auf einer Hochzeit unterwegs bin, dauert es keine 5 Minuten, bis mich irgendein fotoaffiner Onkel, Cousin oder Nachbar des Brautpaares, testen will. „Fühlen wir der Kleinen doch mal auf den Zahn, ob sie ihr Handwerk auch beherrscht!“ Fragen zur genauen Typ-Bezeichnung meiner Kamera, zur Lichtstärke meines Objektivs oder warum ich mit dieser und nicht mit jener Kamera fotografiere. Besonders liebe ich die Hinweise, wie ich mich am besten zum Licht stellen soll, um ein gutes Bild zu bekommen oder die Tipps, welches Objektiv ich am geschicktesten für das perfekte Gruppenbild verwenden sollte. Wenn dir das drei mal passiert ist, weißt du natürlich, wie du dir solche nervigen Diskussionen vom Leib hältst, aber es ist doch erstaunlich zu sehen, dass einer Frau so wenig im Hinblick auf die Technik zugetraut wird.

Warum? Weil Technik Männersache ist? Sorry, wir leben im Jahr 2016. Hier studieren Mädels Luft- und Raumfahrttechnik, sind Gedächtnisweltmeisterin oder gewinnen den Nobelpreis. Da können uns so ein paar Rädchen und Knöpfchen auf der Kamera doch nichts anhaben… oder vielleicht doch? Fakt ist, irgendwo her muss unser schlechter Ruf ja kommen. Schließlich wird ja auch bei Technik-Fragen Tech-Nick gefragt und nicht Tech-Nicki. Und wenn ich mir im Netz Interviews, Live-Shootings oder Tutorials anschaue, ist es keine Seltenheit, dass die Mädels den Jungs ihre Kamera in die Hand drücken, um sie von ihnen richtig einstellen zu lassen. Und ich spreche hier nicht von irgendwelchen Mädels, sondern von gestandenen Fotografinnen, die in der Branche einen Namen haben und die besten Bilder machen. Was hat es also damit auf sich? Können wir nicht? Oder wollen wir nicht?

Wenn ihr mich fragt: wir wollen nicht. Fotografie ist keine Raketenwissenschaft – wenn du ein paar grundlegende Gedanken verstanden hast, kannst du nahezu jede Situation meistern. Also wollen wir nicht. Und da spreche ich aus eigener Erfahrung. Jahrelang habe ich gerne und viel fotografiert und zwar ganz ohne Technik. Mir war einfach egal was ISO, Blende und Zeit miteinander zu tun haben. Ich habe schöne Bilder gemacht, weil ich ein Auge für gute, ausgefallene Perspektiven habe. Weil ich ein Gespür für besondere Momente habe. Weil ich es liebe Emotionen einzufangen und genau im richtigen Moment abzudrücken. Ich mache bessere Handybilder, als manch einer mit einer 10.000 € teuren Kamera. Das hört vielleicht unfassbar arrogant an, aber ihr kennt doch die Art von Mensch, die sich einfach nur eine Kamera kaufen, um sie zu haben. Nicht, weil sie wahnsinnig gerne fotografieren. Sie soll teuer sein, sie soll die Beste auf dem Markt sein, aber beschäftigen mag man sich mit ihr nicht. Das ist die eine Fraktion. Die Anderen kaufen sich eine Kamera, lernen die Gebrauchsanleitung auswendig und machen aufgrund dessen technisch einwandfreie Bilder. Wenn diese Bilder allerdings null Emotionen zeigen und einen auch sonst nicht vom Hocker hauen, bringt das nicht wirklich viel.

Fotografie ist mehr als Technik. Bilder müssen leben. Und das schaffst du nur, wenn du ein gutes Auge und ein Gespür für Menschen hast. Das ganze Drumherum ist so viel wichtiger, als eine teure Kamera und etliche Knöpfe, die die meisten leider nur verwirren. Auf die Persönlichkeit kommt es an. Du machst keine guten Bilder, wenn du die Menschen, die du authentisch ablichten möchtest, nicht animieren kannst. Und genau aus diesem Grund, sind Frauen die besseren Fotografen. Weil wir auf die Technik pfeifen. Weil wir geschehen lassen, was geschieht, weil wir uns auf den Moment einlassen und ein besseres Auge für das Schöne im Leben haben.

Ich höre gerade schon die Männerwelt aufschreien: „Das kann die doch nicht so pauschal sagen! Das kann man doch nicht verallgemeinern. Wir Männer haben auch ein gutes Auge!“ Na klar habt ihr das auch. Genau wie die ein oder andere Frau sich perfekt mit ihrer Ausrüstung auskennt. Ausnahmen bestätigen die Regel!

Liebe Fotografie-Mädels da draußen, lasst euch nicht unterkriegen, lasst euch nicht einschüchtern von den ganzen neunmalklugen Onkels und Cousins dieser Welt. Ihr habt alle Vorraussetzungen, die ihr braucht. Arbeitet damit. Natürlich müsst ihr nicht jede noch so kleine Funktion eurer Kamera kennen, aber wenn ihr Geld mit der Fotografie verdienen möchtet oder bereits verdient, solltet ihr natürlich wissen, was ihr da in der Hand habt und wie der Kasten funktioniert. Zum Einen wird das Fotografieren dadurch um Einiges entspannter, weil dich einfach keine Situation mehr erschrecken kann und zum Anderen: ihr wollt euch doch nicht die Blöße vor irgendeinem dahergelaufenen Onkel geben, der zwar bestimmt nicht besser als ihr fotografiert, aber auf jeden Fall besser die Gebrauchsanleitung auswendig gelernt hat. Das beste Gefühl um in einen Job zu starten ist  Selbstbewusstsein. Ohne eine ordentliche Portion davon, wird es schwierig sich behaupten zu können. Und ohne Know-How ist ein selbstbewusster Auftritt fast unmöglich…

Lasst euch also das Nötigste beibringen, schaut euch Tutorials an oder wenn ihr Fragen an mich habt, wie ich was mache, welches Problem gelöst habe oder den Arbeitsalltag auf die Kette kriege, immer her damit. Ich freue mich über eure Kommentare und bin ganz gespannt, wie es euch in Sachen Technik geht.

Liebste Grüße, eure Katharina

 


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