Ach Stuttgart, was ist nur los mit dir? Auf dem Weg zum Atelier gehe ich an einem parkenden Auto vorbei, an dem ein DIN A4 Zettel unter dem Scheibenwischer klemmt. Da steht in großen Edding Lettern: „Parkt man so? DU WIXER! 1,5m Abstand. Scheiß ARSCHLOCH!“

Schönen guten Morgen also. Seit fast 10 Jahren versuche ich mich nun mit dieser Stadt anzufreunden, zunächst nur auf rein beruflichen Wegen, seit einiger Zeit auch privat, und ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber Stuttgart, du machst es mir wirklich nicht leicht. Deine herunterhängenden Mundwinkel nerven auf Dauer. Ich bin in Remscheid geboren, oder wie Thorsten Legat gerne sagt „Reeeemscheid“, habe jahrelang in Köln gelebt, mitten in der City, mit großer Parkplatznot und all dem Großstadtgetümmel. Aber so unfreundlich wie im „beschaulichen“ Baden-Württemberg, ist in dieser Region Deutschlands kaum jemand. Es mag Ausnahmen geben, aber im Normalfall kriegt man immer alles irgendwie geregelt ohne jemanden beschimpfen zu müssen.

Ich weiß nicht, wie oft ich in Köln morgens zu meinem Auto kam und feststellen musste, dass ich entweder zugeparkt war, weil andere KFZ-Führer ihr Auto nicht mit dem ordnungsgemäßen Abstand von 1,5m zu meinem Auto geparkt hatten – haha, wer kann denn bitte in der Großstadt 1,5m Abstand halten??? – oder ein Kurzparker sich einfach die Freiheit genommen hat, in der zweiten Reihe zu parken. Tagesordnung in Köln. Nur der Umgang damit, ist ein völlig anderer, als in Stuttgart. Was passiert, wenn man in Köln kurbelt und kurbelt, um aus einer Lücke herauszukommen, die insgesamt nur fünf Zentimeter breiter ist, als dein Auto? Ein Fußgänger hält an und gibt dir hilfsbereit Handzeichen. Ist mir mindestens 100x in Köln passiert, nicht einmal in Stuttgart. Was passiert, wenn dich ein Zweite-Reihe-Parker blockiert? Du hupst drei mal, stellst dich in die Tür deines Autos, schaust dich um und es dauert keine 30 Sekunden, bis jemand winkend und sich entschuldigend aus dem Büdchen oder der Bäckerei herausgelaufen kommt, um sein Auto wegzusetzen. Problem gelöst. Ganz ohne Wichser, ganz ohne Arschloch. Einfach so.

In Köln da kennt man sich. Man grüßt sich. Man tut nicht so, als ob man den Anderen nicht gesehen hätte. Man bleibt auf einen kurzen Plausch stehen, lacht zusammen und geht weiter.

Mit der kölschen Mentalität im Herzen in Stuttgart zu überleben ist… nennen wir es mal eine Herausforderung. Wie oft ich hier schon von irgendwelchen selbsternannten Dorfsheriffs belehrt wurde, was ich alles nicht darf: beim Verkehrschaos auf der Straße, darf ich mit meinem Fahrrad nicht ein paar Meter im Schneckentempo über den Gehweg rollen, weil der Gehweg schließlich kein Fahrradweg ist. „Du bleeda Bix!“, gleich noch hinterher geschoben, was so viel heißt wie „du dummes Weib!“. Nett hier. Ich darf mit meinem Auto nicht vor einem Hauseingang halten, an dem ein Schild mit „Einfahrt freihalten“ hängt, obwohl ich hinter dem Steuer sitze, nicht vorhabe das Auto zu verlassen, und obwohl diese „Einfahrt“ überhaupt keine „Einfahrt“ ist. Verstehe. Ich darf die Rolläden in unserem Atelier nicht in normaler Geschwindigkeit öffnen, sondern nur in Slo-Mo, da mir ansonsten Passanten ins Atelier schreien „I glaub Dir brennd dr Kiddl!“, was wörtlich übersetzt heißt „Ich glaube, dir brennt der Kittel!“. Mein Kittel brannte nicht – ich glaube das unglückliche, alte Schwabenpaar wollte mir damit sagen, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, aber auch die waren alle noch da. Hab nachgeschaut. Ich darf nach 22:00 Uhr kein Alkohol im Supermarkt kaufen, obwohl ich schon groß bin, und die Aktion „Pfand daneben!“, kennt hier niemand – in Stuttgart bekommst du Ärger, wenn du deine leere Bierflasche neben den Mülleimer stellst, damit die Flaschensammler nicht im dreckigen Müll herumwühlen müssen. Eigentlich gut gemeint, funktioniert nur leider nicht in Stuttgart. Die Bäckereifachverkäuferin schafft es nicht ein „Guten Morgen“ über die Lippen zu bekommen, weil ihr Morgen nicht gut ist, und der Busfahrer pampt mich an, weil ich ihm mein Handyticket nur zeige, anstatt es unter einen Scanner zu halten. „Sorry, ich fahr nicht so oft Bus! Letztes Mal, musste ich das Ticket nur zeigen.“, brav hielt ich mein iPhone unter den Scanner, der allerdings nicht scannen wollte, fragte ob ich alles richtig mache und brachte mich noch über mich selbst lustig, um die Stimmung aufzuheitern: „Frauen und Technik! Sehen Sie, ich hab wirklich keine Ahnung!“ Alles was ich darauf zu hören bekam, hatte der gut gelaunte Busfahrer in seine Geheimsprache, in tiefstes Schwäbisch, verschlüsselt, aber einige Fetzen habe ich verstanden. Ich solle das Kleingedruckte lesen, ich solle mich vorher informieren und warum ich mir nicht einfach ein normales Ticket kaufen würde, wenn ich zu blöd dafür wäre. Warum er mir nicht einfach erklärt, wie ich mein scheiß Handy unter den scheiß Scanner halten muss, damit der ganze Mist funktioniert, weiß ich nicht.

Je unfreundlicher die Stuttgarter sind, desto freundlicher bin ich. Ich denke immer, das sollte aufwecken, die Leute müssen doch merken, dass man gerade sehr nett zu ihnen ist, ihnen ein Lächeln schenkt oder einen schönen Tag wünscht. Aber das tun sie nicht. Gefangen in ihrem Schwabentum, tun sie das einfach nicht – oder wenn sie es merken, sind sie so irritiert, dass sie denken, man wolle sie verarschen. Nein, will ich nicht. Ich will einfach nur nicht das Gefühl haben, dass egal was ich tue, sich irgendwer schon irgendwie angegriffen fühlen wird und es zu einer Diskussion kommt.

Ach Stuttgart, was ist nur los mit dir? Mach dich doch einfach mal locker, lass die Menschen so sein, wie sie sind, streiche das Wörtchen „muss“ aus deinem Wortschatz und die Welt sieht doch schon wieder viel besser aus. Stuttgart sieht besser aus. Das willst du doch auch – du willst jung sein, modern, hip, trendy… also leg los. Leg dein strahlendstes Lächeln auf und go for it!

Wie geht es euch in eurer Stadt? Fühlt ihr euch pudelwohl oder ist da noch Luft nach oben? Was sagt ihr Stuttgarter dazu? Seht ihr eure Stadt vielleicht genauso? Mich interessiert, was ihr dazu denkt… kommentiert gerne auf Facebook unter meinen Beitrag, ich bin gespannt!


Snapchat: snapthekath


 

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