„Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Dieser Satz klingt mir in den Ohren, als ob es gestern gewesen wäre. In der Tat ist es mittlerweile fast 10 Jahre her, dass ich als Lena in Georg Büchner´s „Leonce und Lena“ in Köln auf der Bühne stand. Na gut, es war nicht direkt eine Bühne. Eher eine heruntergekommene, dreckige Lagerhalle neben einer freien Autowerkstatt. Aber als Schauspielschüler nimmst du das nicht so genau. Im Namen der Kunst ist alles eine Bühne, du musst es nur zu einer machen. Zu DEINER machen.

Jedenfalls befand ich mich in der Probenphase zu „Leonce und Lena“, einer Polit-Satire, die der gute Büchner 1836, als unverfängliches Lustspiel auf den Markt brachte… so würde man das wohl heute sagen. Und heute würde sich auch unsere Bundeskanzlerin aller Wahrscheinlichkeit nach dafür einsetzen, dass Büchner wegen dieser Nummer vor Gericht landen würde. Mit Politsatire hat sie´s ja nicht so. Aber das ist ein anderes Thema, lassen wir das.

Es geht um Müßiggang. Besser bekannt als Faulheit. Und die gab es bereits im 19. Jahrhundert, in dem Leonce und Lena durch ihre Königreiche Pipi und Popo zogen. Wenn ich das so schreibe und mir vorstelle, dass vielleicht der ein oder andere von euch das Theaterstück nicht auf dem Schirm hat, kommt es mir etwas albern vor. Pipi und Popo. Georg Büchner hatte eine blühende Fantasie. Oder ist niemals aus seiner Pipi-Kacka-Popo-Phase herausgekommen… wer weiß. Sein Leonce hatte jedenfalls vor allem eins: unfassbar große Langeweile.

„Es krassiert ein entsetzlicher Müßiggang – Müßiggang ist aller Laster Anfang – Was die Leute nicht alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich an Langeweile.“

Kann es sein, dass das fast 200 Jahre alte Stück aktuell wie eh und je ist? Ein kleines Beispiel, warum ich überhaupt auf die Geschichte komme: ich bekomme immer wieder Mails oder werde bei Snapchat, Facebook oder Instagram angeschrieben. Meist mit ein und der selben Frage: „Wie schaffst du es deine ganzen Projekte unter einen Hut zu kriegen? Du moderierst, arbeitest als Synchronsprecherin, schreibst, bist Co-Founder von einem Online-Magazin, hast Familie. Dein Tag muss doch 48 Stunden haben. Und bei mir will es einfach nicht klappen, egal was ich tue!“

STOP!

Wenn ich mir meine Timeline bei besagten Netzwerken so anschaue, gerade an Wochenenden, sehe ich vor allem eins: Menschen, die ihre Zeit totschlagen. Die sich langweilen. Die Faul sind. Und Faulheit ist aller Laster Anfang, wie Büchner schon vor vielen Jahrzehnten wusste. Freitag und Samstag wird gefeiert, Sonntag der doppelte Kater auskuriert, um dann Montag müde und ausgelaugt, zurück am Schreibtisch zu sein. Da sitzt man, sitzt brav seine Zeit ab und wundert sich, dass sich nichts tut. Dass nichts voran gehen will.

Bitte nicht falsch verstehen: jeder soll das tun, was er möchte. Jeder darf so viel feiern, wie er will, aber wundert es einen dann wirklich, warum man nichts auf die Kette kriegt? Mir kommen meine Jobs auch nicht zugeflogen. Es war und ist immer noch harte Arbeit. Türklinken putzen. Niederschläge einstecken. Wieder Türklinken putzen. Ich bin noch lange nicht da angekommen, wo ich einmal sein möchte. Ich werde noch viele Türklinken putzen müssen. Und das ist gut so. Es wäre schrecklich, wenn ich in meinem Alter keine Ziele, Träume und wünsche hätte, die ich mir erfüllen möchte. Ich arbeite hart dafür. Gerne und viel. Während andere feiern, sitze ich am Schreibtisch und feile an neuen Projekten. Während andere ihren Rausch ausschlafen, bin ich schon wieder auf Achse und kümmere mich darum weiterzukommen. Das Schöne ist: es macht mir Spaß! Ich arbeite nicht, ich lebe. Mein Leben ist meine Arbeit und meine Arbeit ist mein Leben. Mit Familie, mit Freunden, mit allem drum und dran. Alles köchelt im gleichen Kochtopf harmonisch vor sich hin. Mal mehr, mal weniger. Manchmal kocht was über, manchmal brennt was an und manchmal muss ich nochmal Gas geben, wenn die Flamme droht auszugehen. Aber das ist die Kunst. Ich habe ständig etwas zu tun und genieße es. Ungelogen, ich habe keine Ahnung, wann ich das letzte Mal Langeweile verspürt habe. Ich habe keine Ahnung, wann ich das letzte Mal einen Tag frei gemacht habe. Also so richtig frei: keine geschäftlichen Telefonate, keine beruflichen Mails, kein Podcast, der mir neuen Input gibt, kein Buch, das mir neue Horizonte eröffnet. Ich kann mich nicht erinnern. Leben heißt sich weiterentwickeln. Ständig und immer. Aus Fehlern lernen, es beim nächsten Mal besser machen und seinem Ziel Tag für Tag ein Stück näher kommen.

Jeder der hart an sich und seinem Dasein arbeitet, weiß, was ich meine. Und nicht alles klappt beim ersten Anlauf. Da darf man auch mal durchhängen. Aber wer es gar nicht erst versucht, darf sich auch nicht beschweren, dass es nicht klappt. Wer Tag für Tag lieber ausschläft, sich im Freibad sonnt oder mit seinen Mädels im Café sitzt, anstatt an seinem Traum zu arbeiten, darf nicht neidisch sein. Wer faul ist und fragt: „Warum klappt es bei dir und bei mir nicht?“, muss der Wahrheit ins Auge sehen können. „Weil ich hart daran arbeite und du faul bist.“ Klingt hart, ist aber so. Und wie gesagt, die Definition von „klappen“ ist Auslegungssache. Ich bin noch lange nicht angekommen, noch lange nicht fertig. Und es gibt Tage, an denen ich denke, bei mir klappt gar nichts. Aber das darf so sein. Das ist normal. Nur das Ziel darf niemals aus den Augen verloren werden. Und die Faulheit muss verschwinden. Dann klappt alles Andere wie von allein.

Kennt ihr das? Menschen, die offensichtlich nicht genug für ihr Weiterkommen tun, sich aber wundern und jammern, dass nichts funktionieren will? Wie geht ihr damit um? Erwischt ihr euch selbst dabei faul zu sein, obwohl ihr eigentlich Gas geben müsstet? Schreibt mir gerne bei Facebook unter diesen Beitrag, was ihr dazu denkt… ich bin gespannt!


Snapchat: snapthekath


 

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