Wenn Mobber zu Fans werden

„Schön, wie Leute einen auf einmal bei Facebook adden, die einen während der Schulzeit noch gemobbt haben!“

Diesen Spruch habe ich neulich bei einer befreundeten Moderatorin auf der Pinnwand gelesen und mich weggeschmissen. Ich bin mir sicher, dass es vielen so geht. Besagte Moderatorin, keine 08/15 Schönheit, das Mädel hat Ecken und Kanten. Und das liebe ich an ihr. Sie hat Erfolg, obwohl sie nicht in´s ´typische Schema F hineinpasst. Sie lässt sich in keine Schublade stecken. Und genaue diese Mädels sind es, die früher auf dem Schulhof gemobbt wurden. Weil sie nicht ins Raster passten. Weil sie anders waren. Weil schon damals die anderen Mädchen aus der Klasse auf sie neidisch waren. Vielleicht waren die Anderen schön anzusehen, aber wir wissen alle, dass schön anzusehen nicht reicht – ihnen fehlte das gewisse etwas. Und genau das hat sie, hatte es schon immer.

Seine Hater aus Schulzeiten vergisst man nicht. Ich hatte auch eine Hand voll Mädchen, die damals alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um mir Angst einzujagen. Wie alt war ich da? Vielleicht 13? Ich weiß es nicht mehr genau. Aber ich erinnere mich gut an die Drohanrufe auf dem Festnetz meiner Eltern, damals hatte man ja noch kein Handy, oder dass sie mir auf meinem Schulweg aufgelauert und mich übel angepöbelt haben. Ich kannte sie nicht. Sie kannten mich nicht. Aber das Nicht-Kennen reichte ihrerseits aus, um mich scheiße zu finden. Schließlich war ich auf dem Gymnasium und sie auf der Hauptschule untergebracht. Ich, lieb und nett, gut erzogen, sie genau das Gegenteil.  Kindergarten. Heute lacht man über so etwas, aber damals hätte ich mir Schöneres vorstellen können, als mit der ständigen Angst zu leben, gleich eine Faust ins Gesicht zu bekommen. Nie passiert, aber das konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja nicht wissen.

Zwei von ihnen, haben sich ernsthaft getraut mich bei Facebook als Freundin anzufragen. Really? Euer Ernst?Freundschaftsanfrage? Soll das heißen, das war damals alles nur ein kleiner Scherz, ich habe ihnen nur nicht verstanden? Ich Dummerchen. Na klar, dann lasst uns doch jetzt BFF sein, das würde mich riesig freuen… NOT!

Sobald du es in den Augen der Menschen geschafft hast, entweder weil du im Fernsehen zu sehen bist, offensichtlich viel Kohle hast oder es dich aus dem Kleinstadtdjungel in die große, weite Welt getrieben hat, während sie noch immer in ihrem Kaff sitzen, sich zu null Prozent weiterentwickelt haben, sondern nur älter und dicker geworden sind, wird alles was war vergessen. Schnell auf den Zug aufspringen, vielleicht kann man etwas vom Ruhm abgreifen. Wie erbärmlich. Wie kann man nur so wenig stolz haben?

Wenn ich heute durch meine Heimatstadt fahre, sehe ich oft bekannte Gesichter, auch die der Mädels, die mich damals gemobbt haben und heute angekrochen kommen. Da laufen sie schlecht gelaunt, mit herunterhängenden Mundwinkeln, durch die Kleinstadt, genau so frustriert, wie damals. Kein Wunder: wenn man immer nur das Gleiche tut, wird auch nichts Neues passieren. Great things never came from comfort zones. Wahrscheinlich mobben sie noch immer ihre Mitmenschen, lästern über Frauen mit besseren Maßen, tuscheln über diejenigen, die zufrieden durchs Leben gehen. Unzufrieden mit sich und der Welt. Sorry, da kann ich euch leider nicht helfen. Falsch, vielleicht könnte ich, würde es aber nicht tun. Ein bisschen nachtragend darf man sein.

Jedenfalls las ich neulich diesen Spruch: „Schön, wie Menschen einen auf einmal bei Facebook adden, die einen zu Schulzeiten noch gemobbt haben!“ Und ich habe mich wirklich kaputtgelacht. Ich dachte ich wäre alleine mit diesem Irrsinn. Irgendwie ist man wohl nie allein. Alle ticken gleich. Beruhigend.

Kennt ihr das auch? Mich interessiert, wer noch alles im gleichen Boot sitzt. Kommentiert gerne bei Facebook unter meinen Beitrag… ich bin gespannt.


Snapchat: snapthekath


 

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