Manchmal bin ich oldschool

Kleines Quiz am Mittwoch. Folgende Situation: Du sitzt mit einer Freundin im Café. Nach kurzer Zeit verschwindet sie auf die Toilette. Frage: Was machst du?

Antwort A: Was soll ich großartig machen? Ich sitze da, warte und beobachte die Menschen.

Antwort B: Ich schaue was bei Facebook, Instagram, Twitter und Snapchat abgeht.

Antwort C: Ich gehe mit ihr auf´s Klo. Schließlich gehen Frauen angeblich immer zu zweit auf die Toilette.

Wenn wir alle ganz ganz ehrlich sind und nicht flunkern, beantworten diese Frage wahrscheinlich 95% von uns mit B. Da sind wir uns einig. Ist euch mal aufgefallen, dass es weder in Cafés, noch an Bahnhaltestellen oder im Wartezimmer beim Arzt, Menschen gibt, die einfach so in der Gegend herumgucken? Löcher in die Luft starren, einfach mal an nichts denken, vor sich hin träumen – gibt es so etwas noch? Selbst die Generation unserer Eltern sitzt abends, mit einem befreundeten Pärchen, beim Italiener am Tisch und starrt unentwegt ins Handy. Die Gesprächsthemen: What´s App, wer alles aus dem Seniorenkreis da ist und wer sich stur weigert.

O-Ton: „Die Traudl hat das What´s App ja schon auf ihrem Handy drauf, das hat der ihre Tochter da hoch gespielt, aber die benutzt das nicht. Die verschließt sich davor. Da braucht die sich nicht wundern, dass die ´ne alte Schachtel wird. So was hält doch jung. Da muss man doch mitmachen“, so süß. Kindergartengespräche aus Rentnermündern. Großartig. Weitere Themen: Böhmermann und sein Skandal. „Das hätte der besser mal nicht gemacht, jetzt hat der den Salat. Wir gucken dieses – wie heißt das nochmal, Gert? – ach ja, Neo Magazin, immer in der Internetmediathek – kennt ihr das? Das ist wie Fernsehen nur im Internet. Und man kann das anschalten, wann man will. Wir gucken das Böhmermann Magazin immer Sonntags beim Frühstück. Witzig, oder? Naja, jetzt ja nicht mehr. Aber das ist so eine schöne Freiheit. Also für uns, für ihn ja nicht mehr. Also diese Internetmediathek ist wirklich toll. Da gibt es auch noch andere Sendungen.“

Ach cool, wusste ich gar nicht. Muss ich mal reinschauen in dieses Internet.
Das war´s eigentlich schon mit Gesprächsthemen. Das Essen kam, es wurden sich Bilder gezeigt, die man über What´s App erhalten hatte, und schon war der Abend vorbei. Wenn dein Tisch direkt neben dem Seniorentisch liegt, musst du einfach zuhören. Das ist wie Autounfall.

Was ich damit sagen will: das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Es ersetzt Tageszeitung leisen, Nachrichten schauen und Klatsch und Tratsch Blätter durchschmökern. Wir shazamen den Song, der gerade im Café läuft, den wir aber noch nicht kennen, wir fotografieren unser Essen, bevor wir es uns schmecken lassen und wenn das Foto nicht so wird, wie wir wollen, wird das Essen kalt. Egal. Wir fragen google, wenn wir mal wieder keine Ahnung haben. Musiker auf der Bühne schauen nicht mehr in schmachtende Mädelsaugen, sondern nur noch in kalte iPhones und iPads. Telefonieren war gestern, heute werden Freunde oder die, die man so nennt, bei Facebook oder Snapchat angetextet, man liked ihre Bilder, anstatt sich persönlich zu treffen.

Das Ganze hat natürlich auch wahnsinnig viele Vorteile. Versteht mich nicht falsch, ich wäre die Letzte, der man ein Handyverbot erteilen dürfte – ich kann mit dem Teil von überall arbeiten, bekomme alle Infos, die ich brauche bin so vernetzt, wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Aber schön war´s trotzdem, als man nachmittags bei der Schulfreundin an der Haustür geklingelt hat, und wissen wollte, ob sie Zeit hat. Wenn man auf eine Verabredung mal warten musste, war man sich sicher, dass derjenige gleich auftauchen wird – man hat da gesessen und Löcher in die Luft gestarrt. Das waren noch Zeiten. Ich werde nostalgisch und natürlich weiß ich, dass das Gefühl etwas mit der generellen Unbeschwertheit eines Kindes zu tun hat, die einem als Erwachsener leidlich fehlt. Trotzdem versuche ich mir ganz oft ein Stück von diesem Gefühl zurückzuholen. Ich mag es Menschen zu beobachten. Ich mag es mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Manchmal sitze ich einfach nur da, lächele und schaue, was so um mich herum passiert. Zugegeben, manchmal komme ich mir ziemlich blöd dabei vor, weil die wenigen Menschen, die registrieren, dass ich einfach nur durch die Gegend gucke, haben meist ein großes Fragezeichen im Gesicht stehen. „Was macht die Frau da? Warum guckt die so? Hat die kein Handy, auf das sie schauen kann?“ Doch habe ich. Trotzdem bin ich ab und zu gerne oldschool. Es gibt Tage, da wehre ich mich, wie die gute, alte Traudl, gegen den neumodischen Kram. Da hab ich dieses What´s App auf meinem Handy drauf gespielt und nutze es einfach nicht. Die Traudl und ich verstehen uns. Man muss nicht immer, nur weil man kann.

#weristeigentlichtraudl

Kennt ihr Traudl? Oder seid ihr selbst eine Traudel? Und was haltet ihr von ihr? Mich interessiert, was ihr zu dem Thema denkt. Kommentiert gerne bei Facebook unter meinen Beitrag… ich bin gespannt.


Snapchat: snapthekath


 

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