So schrecklich unverbindlich

Mittwoch 17:15 

Ich: Hey! Habt ihr Montag Abend schon was vor? Wir könnten was bei uns kochen. Lust? Ich würd mich freuen! Ist schon wieder viel zu lang her. Wie geht´s euch denn? Alles okay? Liebste Grüße!

Mittwoch 17:18

Sie: Hi! Cool, dass du dich meldest, wollte ich auch schon seit Tagen machen, hab´s aber irgendwie immer wieder verpeilt. Du hast vollkommen Recht, es wird mal wieder höchste Zeit! Montag hört sich gut an, ich bequatsch das mal mit Tim und geb dir morgen Bescheid. Freu mich!

Mittwoch 17:21

Ich: Perfekt! Bis morgen dann!

Freitag 12:30

Ich: Hey du! Wollte mal kurz hören, wie es jetzt mit Montag aussieht. Ich geh gleich einkaufen und würde dann für Montag mit einkaufen – ich hasse den Samstags-Wahnsinn bei REWE & wollte heute alles erledigen. Gib einfach kurz Bescheid… DANKE!

Freitag 16:12

Sie: Ich kann´s noch nicht so ganz genau sagen… meld mich morgen. Glaub aber schon, dass es klappt! Ich freu mich!

Freitag 17:30

Ich: Alles klar. Ich hab jetzt einfach mal für vier eingekauft. Schönes Wochenende 🙂

Samstag 11:02

Sie: Passt alles! Um 7 dann bei euch? Sollen wir was mitbringen? Ich kann Nachtisch machen!

Samstag 12:32

Ich: Perfekt! Nichts mitbringen – ist alles da 🙂 Bis Montag…

Montag 14:27

Sie: Hey du, ich glaub ich pack das heut Abend nicht. Ich muss die Woche voll früh aufstehen und das Wochenende war mega anstrengend. Wäre es ok, wenn wir unser Treffen verschieben? Nächste Woche sieht´s auf jeden Fall besser aus.

Was schreibt man auf so etwas? „Nein, es ist nicht okay, wenn wir unser Treffen verschieben. Wir waren ja fest verabredet. Ich habe Essen & Getränke ohne Ende eingekauft, habe heute morgen früher angefangen zu arbeiten, um am Nachmittag früher nach Hause zu können, um alles vorzubereiten.“ Oder einfach „Klar, kein Ding. Meld dich, wenn´s besser passt.“ Ich entscheide mich für Zweiteres.

Mann, ist unsere Gesellschaft schrecklich unverbindlich geworden. Wir wissen Freitag noch nicht, was wir Montag machen, wollen uns aber auch nicht festlegen. Warum eigentlich nicht? Aus Angst etwas Besseres verpassen zu können? Oder sind wir mittlerweile alle so labil durch unsere Intoleranzen, Mangelerscheinungen und Burn-Out Erscheinungen, dass wir einfach im Vorhinein nicht wissen, ob wir seelisch und körperlich im Stande sind uns zu treffen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins: mich nervt diese Unverbindlichkeit. Und noch mehr nervt mich, dass ich mich immer wieder erwische, dass ich mittlerweile manchmal ähnlich denke. Mal kurz über What´s App oder Facebook absagen. Es ist so einfach. „Sorry, ich schaff´s doch nicht!“, und schon biste raus aus´m Schneider. Früher hätte man anrufen und irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Ausreden erfinden müssen. Im Hinblick auf das mangelnde schauspielerische Talent oder weil man schlichtweg nicht lügen kann, ohne dass es ein Blinder und Tauber bemerken würde, hat man es gelassen. Man hat in den sauren Apfel gebissen und die Verabredung wahrgenommen – geilen Abend gehabt, sich hinterher gefragt, warum man vorher eigentlich keine Lust hatte und fertig aus.

Heute ist das anders. Heute verschiebt man Termine. Privat, aber auch beruflich. Erst letztens hatte ich einen Termin in Berlin. Hin- und Rückfahrt mit der Bahn gebucht und in weiser Voraussicht einen großen Puffer eingeplant. Der Termin stand wochenlang fest. Als am selben Morgen dann per Mail die Info kam, dass sich unser Treffen von 15:00 Uhr auf 18:00 Uhr verschiebt, war ich etwas irritiert, um es mal freundlich auszudrücken. Mein Rückzug sollte gegen 19:30 Uhr abfahren und da der Termin nicht mitten in Berlin, sondern etwas außerhalb stattfand und die Herrschaften mich auch noch über 30 Minuten haben warten lassen, trotz Terminverschiebung auf 18:00 Uhr, hatten wir ganze 20 Minuten voneinander. Wow! Zug umbuchen, war nicht drin, weil ich pünktlich am nächsten morgen wieder in Stuttgart sein musste, da stand der nächste Job auf dem Plan und absagen ist ja nicht so mein Ding, wie ihr bestimmt schon gemerkt habt 😉 Da war ich also effektiv für 20 Minuten in Berlin. So läuft das in der heutigen Zeit. Mal kurz einen Termin per Mail verschieben. Und warum? Weil es so schön einfach ist. Wir drücken uns vor Konfrontationen, wo wir nur können. Was ist nur los mit uns? Warum stehen wir immer weniger zu unserem Wort und lassen sogar Menschen, die uns wichtig sind hängen?

Unverbindlich ist das neue verbindlich. Nee, sorry, bei dem Trend mach ich nicht mit. „Old is the new new“ oder „Love is the new black“, schön und gut, aber nicht so. Kennt ihr das auch? In meinem Umfeld, beschwert sich gerade jeder über diese schreckliche Unverbindlichkeit: „Da sagste was, mich nervt das auch total. Sag mal, hast du Lust ´ne Pizza zu bestellen? Es ist gerade so nett und bei dem Mistwetter hab ich sowieso keinen Bock mehr rauszugehen. Warte“, Jule bemüht sich aus dem kuscheligen Sofa und geht auf Socken Richtung Küche, um ihr Handy zu holen, “Ich sag nur schnell Lisa ab, mit der wollte ich eigentlich später in die Stadt, und dann bestell ich uns was, ok?“ Ich muss furchtbar lachen. Als sie merkt, warum, verbessert sie sich schnell: „Ich meine, ich ruf Lisa an und frag, ob sie nicht lieber hier her kommen und mit uns Pizza essen mag.“ Na also, geht doch. Lasst uns mal wieder ein bisschen verbindlicher werden. Das tut gut.

Wie läuft´s bei euch mit Verbindlichkeiten? Legt ihr euch fest? Oder zählt ihr zu den Absagern? Mich interessiert, was ihr zu dem Thema denkt. Kommentiert gerne bei Facebook unter meinen Beitrag… ich bin gespannt.


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