HAPPY BIRTHDAY TO ME

Interview mit mir selbst.

Wie alt bist du? Seit Samstag 32.

Wie alt fühlst du dich? Puuh. Schwierige Frage. Wahrscheinlich sehr oft wie 32. Viel zu früh morgens, beim Blick in meine Augenringe, gerne auch mal älter. Wenn ich allerdings im Supermarkt, mit einer Flasche Weißwein auf dem Band, nach dem Ausweis gefragt werde, amortisiert sich das Ganze wieder. Ja, das passiert tatsächlich. Und nein, ich kann es auch nicht verstehen. Schließlich müsste ich 15 sein, um keine Flasche Weißwein zu bekommen, und das bin ich nun wirklich nicht mehr. Und will es auch wirklich nicht mehr sein. Womit die nächste Frage bereits zur Hälfte beantwortet wäre.

Wie alt wärst du gerne? Auf jeden Fall nicht mehr 15. Älter bitte auch nicht, das kommt früh genug. Wenn ich ehrlich bin, und das versuche ich zu sein, weil mich das Thema echt interessiert, fühle ich mich gerade mit meiner 32 verdammt wohl. Ich mag gerade Zahlen. Die 31 tat nicht weh, aber sie war rein zahlentechnisch auch kein Hingucker. Mein Jahr hingegen, in dem ich 364 Tage als 31-Jährige unterwegs war, war rundum gut. Natürlich nicht alle Tage, aber im Großen und Ganzen. Und das ist ja schonmal was. Ich beschwere mich nicht. Die 32 mag ich trotzdem lieber. Und das obwohl ich mal wieder ein Jahr älter geworden bin.

Was habt ihr für ein Verhältnis zu eurem Alter? Zählt ihr zu der Alles-ist-gut-so-wie-es-ist-Fraktion? Oder macht ihr ein riesen Geheimnis um euer Alter und würdet euch am liebsten an jedem Geburtstag erneut im Schlafzimmer einschließen, die Bettdecke über´n Kopf ziehen, euch selbst bemitleiden und hoffen, dass der Tag so schnell wie möglich vorüber geht? Ich habe die unterschiedlichsten Meinungen, Lebensarten und Ängste in meinem Freundeskreis. Während sich die Mädels ab einem Gewissen Alter ernsthafte Gedanken über ihre biologische Uhr machen – tick tack tick tack – fühlen sich die Jungs selbst mit Mitte 40 noch nicht zu alt für die Playstation, ausartende Männerabende und Beziehungen, die alles andere als fest sind. Also irgendwie sind sie fest, bloß zugeben möchte Mann das nicht. Festgenagelt sein vs. viele offene Türen. Zweiteres klingt so viel verlockender.

Was ist es, dass Angst vor dem Älterwerden macht? Der zunehmenden Verantwortung nicht gerecht werden zu können? Nicht mehr frei und spontan sein zu dürfen? Oder ist es die äußerliche Veränderung? Vielleicht ist es von allem ein bisschen. Fakt ist: wir werden so alt, wie noch nie. Wir sind so gesund, wie noch nie. Und wir haben so viele Möglichkeiten, wie noch nie. Deutschland. 2016. Es gab schlimmere Jahre in der Geschichte.

Die fast unendlichen Möglichkeiten zu nutzen, ist für mich der einzig richtige Weg. Während ich mit 19 gejammert habe, dass ich bald 20 werde, „20 ist ja so verdammt alt“, und „Dann steht da auf einmal eine 2 vorne – Horror!“ (das habe ich wirklich so gesagt), bin ich mit 32 entspannter denn je. Zumindest was das Alter angeht. Ich bin wahnsinnig froh darüber, gerade in den letzten 15 Jahren viel gelernt zu haben. Beruflich. Privat. Eigentlich in jeder Hinsicht. Ich bin froh, aus Fehlern schlau geworden zu sein. Neuen Dingen offen, aber nicht naiv gegenüber zu stehen. Nein sagen zu können. Ich stehe mit beiden Beinen im Hier und Jetzt. Denke gerne an vergangene Tage zurück und schmiede wilde Pläne für die Zukunft. Aber wirklich wichtig ist mir der Moment. Ich liebe es, eine eigene Meinung zu haben. Wenn ich einmal keine habe, kann ich dazu stehen. Ich kann es offen zugeben, brauche keine Notlügen erfinden, nicht um den heißen Brei herum reden – das liebe ich auch. Ich bin mir meiner selbst sicher, weiß was ich kann. Weiß, wovon ich lieber die Finger lasse. Ich kenne meine Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten und bin mittlerweile soweit, dass ich sie nicht nur akzeptiere, sondern mich sogar mit ihnen anfreunde. Aalglatt wäre langweilig, sage ich heute. Früher habe ich das anders gesehen.

Älter werden hat doch irgendwie auch viel Schönes. Was denkt ihr?


Snapchat: snapthekath


 

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