Huch. Was war denn das?

Manchmal denke ich, die Welt ist ungerecht: Wir Frauen dürfen Kindersendungen, Magazine und Wissensformate moderieren, während die Herren die große Abendunterhaltung übernehmen. Welches ernstzunehmende Unterhaltungsformat wird von einer Frau moderiert? Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber mir fällt gerade keins ein. Doch: Carmen Nebel. Die Dame scheint ein Ausnahmetalent zu sein. Keine Ahnung, wie es Carmen Nebel dahin geschafft hat, aber tatsächlich moderiert sie in der ach so beliebten Primetime für das zweite deutsche Fernsehen. Aber wo sind die wirklich Guten? Die Schlagfertigen? Die, die keinen Teleprompter brauchen, sondern ihr Köpfchen nutzen? Die Lustigen? Anke Engelke zum Beispiel. Ich schmeiß mich weg, wenn Anke anfängt spontan Sprüche zu kloppen. Mit 15 hatte ich meinen aller ersten Dreh mit ihr. Wer´s schafft mich morgens um 5:30 Uhr in der Maske zum Lachen zu bringen, der kann nur gut sein. Oder was war damals beim ESC? Das war ja wohl ein 1A Auftritt. Mit Stefan Raab. Und dieser Blonden, die immer wie bestellt und nicht abgeholt daneben stand. Ganz großes Kino. Aber anstatt sie im Anschluss in der Primetime des Senders zu sehen, für den sie diese wirklich gute Show abgeliefert hat – perfekt dreisprachig wohlbemerkt – findet man sie in einem unserer Dritten wieder. Kurz vor Mitternacht. Mit „Anke hat Zeit“ – kein Wunder, dass sie Zeit hat. Die Entscheidungsträger haben ja offensichtlich Tomaten auf den Augen. Anderes Beispiel: Ina Müller krebselt seit Jahren im NDR herum und mit ganz viel Glück, wird sie ab und an im Ersten gezeigt. Allerdings nur zu Uhrzeiten, wo keiner guckt. Ja. Manchmal finde ich das wirklich ungerecht.

Und dann schaue ich mir die Vorberichterstattung der 88. Oscars an und denke AUTSCH! Deshalb lässt man das also die Männer machen. Huch. Was war denn das? Wo ist Steven Gätjen, wenn man ihn braucht? Ich bin kein Fan von Steven Gätjen – ich mag generell keine Menschen, die sich selbst unfassbar geil finden – aber Sonntag Nacht hätte ich ihn wirklich gebraucht. Und ganz Deutschland mit mir. Investigativjournalismus vom allerfeinsten. Tja, es ist eben doch ein kleiner Unterschied, ob du wohlbehütet im Unterföhringer Studio stehst und ein Lifestyle Magazin für deine Zuschauerschaft vom Teleprompter abliest, oder auf dem wohl wichtigsten Teppich des Jahres in f***ing Hollywood stehst und eine Millionen Menschen unterhalten sollst.

Wobei… unterhaltsam war es ja eigentlich. „Er ist zum Greifen nah!“ Ihre Fanattitüde bei Superman, und allen anderen super Männern, ist zum Totlachen. Leider kommt ihr mädchenhafter Charme bei den Hollywood Herren nicht richtig an und Jared Leto tut das einzig Richtige. So schnell wie möglich abhauen. Ihr vorher aber noch einen Spruch drücken, der gesessen hat. Sie: „Was ist die Geschichte hinter deinen Schuhen?“ Er: „Es gibt keine!“ BÄÄM! In your face. Und tschüss. Ach nee, vorher fragt sie ihn noch, ob er Angst vor Clowns hat, weil er ja den Joker spielt. Als ob Jared Leto Angst vor irgendetwas hat. Hallo? Er ist Jared Leto. Aber gut, wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Ihr ist halt auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen. Genau wie in der Stunde zuvor und der Stunde danach. Und englisch ist auch eine schwierige Sprache. Das darf man nicht vergessen. Meine drei Lieblingsphrasen des Abends:

1. „Do you love Germany?“ Jetzt nicht mehr.

2. „You look gorgeous!“ Du auch, aber Aussehen ist halt nicht alles.

3. „I cross my fingers for you!“ Cross deine Finger bitte woanders.

Neben den gravierenden Problem mit ihrer Haarsträhne, die sie ständig aus dem Gesicht streicht und ihren Lippen, die wohl etwas Feuchtigkeit vertragen könnten, oder warum leckt sie sich sonst die ganze Zeit darüber, gibt es für mich zwei wirkliche Highlights an diesem Abend. Oder Lowlights. Wie man es auch immer nennen möchte.

Louis Gossett Jr., amerikanischer Schauspieler, Jahrgang 36, nutzt auf dem roten Teppich die Gelegenheit, um die wirklich wichtigen Dinge im Leben anzusprechen. Dank „Annimi ich kannimi“ geht es ja an diesem Abend weder um das, noch um die Filme der Hollywood Stars, sondern ausschließlich um die „gorgeous“ Kleider der Mädels. „Der Kampf gegen Rassismus ist die größte Herausforderung in unserer heutigen Zeit.“, so Louis Gossen Jr., woraufhin die selbsternannte Miss Ich-weiß-gar-nicht-was-wir-hier-machen (und das hat sie wirklich gesagt) antwortet: „Toll sieht er aus, mit fast 80!“ Da fällt dir nichts mehr ein.

Whoopi Goldberg zu fragen, ob der silberne Oktopus, den sie an ihrer Hand trägt, echt ist und dann auch noch die Dreistigkeit zu besitzen, ihre Schuhe sehen zu wollen, schießt den Vogel endgültig ab. Und wie cool ist Whoopi? Die sagt einfach NEIN.

Nach ein paar holprigen Interviews mit den Stars, kommt kaum noch einer zu ihr. Die Arme. Alle sind sie auf der Fast Lane, weil sie so spät dran sind. Ach Quatsch! Die haben einfach eine gut funktionierende What´s App Gruppe. „Geht bloß nicht zu der verrückten Deutschen! Die ist keine Moderatorin, sondern nur ein gut getarnter Fan!“ Selbst Heidi lässt sie im Stich. Obwohl sie ihr noch zuruft, dass sie gleich wieder kommt. Von wegen. Eiskalt verarscht.

Zu allem Überfluss schubsen sie die Kollegen der NBC übel hin und her, so dass sie nicht nur einmal fast auf der Nase landet. Immer schön lächeln.

Um zwei Uhr irgendwas ist das Spielchen dann endlich vorbei und ein echter Entertainer ist an der Reihe. Ein Mann. Das wundert mich jetzt nicht wirklich nach dieser Nummer. Hätte ich nicht anders besetzt.

Wie war das nochmal mit dem ungerecht? So ändern sich Meinungen innerhalb einer Nacht. Wie schnell das manchmal geht.


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